Berufliche Orientierung im Strukturwandel – erste Studienergebnisse

Die quantitative Analyse des Übergangs Schule – Beruf greift auf Daten verschiedener öffentlicher Statistiken zurück. Dabei fällt immer wieder auf, dass es Datenlücken gibt und aufgrund von fehlenden Registrierungspflichten viele Statistiken nur einen Ausschnitt des Übergangsgeschehens Schule – Beruf abbilden können. Mit der aktuell laufenden Studie zur Berufsorientierung im Mitteldeutschen Revier leistet das Netzwerkbüro BiSMit einen Beitrag, um den Übergang Schule – Beruf intensiver zu beleuchten. Dr. Susanne Böse und Dr. Tom Hoyer stellten in der Online-Veranstaltung das Studiendesign und den aktuellen Stand der Arbeit vor.

Eine gute Berufsorientierung sollte Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern dabei unterstützen, sich in der mitunter überfordernden Vielfalt von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten zurechtzufinden.

Mit der Studie wird die Berufsorientierungslandschaft des Mitteldeutschen Reviers untersucht. Die Studie geht dabei den Fragen nach, ob der Strukturwandel die berufliche Orientierung junger Menschen bzw. ihre Ausbildungs- und Berufswahl beeinflusst und wie Jugendliche sich auf Berufswahl und Karriereplanung vorbereitet fühlen. In diesem Kontext wird auch gefragt, welche Informationsangebote den Jugendlichen zur Verfügung stehen, wie diese genutzt werden und ob sich Anpassungsbedarfe für die Angebote ergeben.

Um die Angebotsstruktur in der Berufsorientierung zu untersuchen, fanden 16 Interviews mit Expertinnen und Experten aus der Bundesagentur für Arbeit, aus Ministerien, Kommunalverwaltungen, Kammern und Gewerkschaften statt. Zur Analyse der Nachfrageseite ist eine Online-Befragung von ca. 500 Schülerinnen und Schülern in Schulen der neun Revierkommunen geplant.

Aus den Interviews mit Expertinnen und Experten lassen sich bereits erste Thesen ableiten:

  • Ein Überangebot an Ausbildungsplätzen führt nicht zu schnelleren Berufsentscheidungen. Gerade die Vielfalt an Möglichkeiten sowie die zunehmende Komplexität in den Berufsfeldern führt zu einem höheren Orientierungsbedürfnis. Gute Berufsorientierungsangebote sind gefordert, damit vorhandene alternative Ausbildungsmöglichkeiten nicht zu häufig für Wechsel und Abbrüche sorgen.
  • Die Ansprüche bei der Ausbildungs- und Berufswahl haben sich geändert. Es besteht eine stärkere Werteorientierung, die durch Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung oder sinnstiftende Arbeit gekennzeichnet ist. Die komfortable Situation der großen Nachfrage nach Auszubildenden führt dazu, dass junge Menschen Berufswahlentscheidungen aufschieben. Außerdem haben sie mitunter Erwartungen, die nicht immer mit der Qualifikation und Leistungsbereitschaft zusammenpassen. Umso wichtiger ist es, vor der Ausbildungsentscheidung Praxiserfahrungen zu ermöglichen und damit falsche Erwartungen an Ausbildung und Beruf zu minimieren.
  • Der Strukturwandel in der Region ist für junge Menschen (noch) nicht präsent. Gefragt sind nach wie vor klassische Berufe und es gibt eine Kontinuität in den gefragten Berufsbildern. Es ist wichtig, die Sichtbarkeit von Berufen mit hohem Bedarf zu erhöhen und den Jugendlichen neue Berufsbilder näherzubringen, indem Unternehmen in Schulen eingeladen werden, um den Wandel und die Anforderungen der Ausbildungsberufe vorzustellen.
  • Die berufliche Orientierung und das duale System konzentrieren sich hauptsächlich auf die eigene Region. Mitunter wird das Interesse an länderübergreifenden Kooperationen dadurch gebremst, dass die Priorität darin besteht, die eigenen Kommunen zu stärken.

Diese Thesen wurden in der Veranstaltung mit Expertinnen und Experten diskutiert und durch Beispiele aus der Praxis veranschaulicht.

Ansprechpartner

Dr. Tom Hoyer

Tel.: 0341-993923 24 E-Mail: hoyer@dji.de