Strukturwandel heute

Kohleausstieg, Klimawandel, Energiewende, Nachhaltigkeit, Digitalisierung – diese Aspekte gehören zu den zentralen Themen und Herausforderungen unserer Zeit.

Tagebau Profen

Bagger und Windräder, Foto: Rainer Weisflog

Kohlekommission

Im Juni 2018 setzte die Bundesregierung die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung – kurz Kohlekommission – ein. Zu diesem Gremium gehörten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Gewerkschaften, Umweltverbänden und Wissenschaft. Sie erarbeiteten Vorschläge, um den Strukturwandel unter den Bedingungen von Klimaschutz und Arbeitsplatzerhalt zu gestalten.

Die Kohlekommission legte im Januar 2019 ihren Bericht vor. Er empfiehlt, bis spätestens 2038 das letzte Braunkohlewerk zu schließen. Um die Reduktion von Treibhausgasen und gleichzeitig die Sicherung zukunftsfähiger Arbeitsplätze zu gewährleisten, sollen die Kohleländer entsprechend der Kohlekommission weitreichende Hilfen für den Umbau ihrer Industrien erhalten und in Investitionen für Infrastruktur, Behörden und Forschung unterstützt werden. Zum Erhalt von Arbeitsplätzen werden umfassende Weiterbildungen und Umschulungen vorgeschlagen.

 

Strukturstärkungsgesetz

Die Bundesregierung nahm den Bericht der Kohlekommission als Grundlage, um Gesetze zum Kohleausstieg zu erlassen. Mit den Gesetzen folgt die Bundesregierung den Empfehlungen der Kohlekommission. Das Kohleausstiegsgesetz bestimmt das Ende der Kohleverstromung bis spätestens 2038 und legt fest, Braunkohle durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Mit dem parallel erarbeiteten Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen wurde eine verbindliche Rechtsgrundlage für die wirtschaftspolitischen Umstrukturierungen in den betroffenen Regionen geschaffen. Der Bund stellt finanzielle Mittel zur Verfügung, um Infrastruktur auszubauen, Unternehmensansiedelungen zu begünstigen und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen. Junge Menschen und Familien erhalten so Perspektiven, in den Regionen zu bleiben oder dort hinzuziehen. Die Kohleregionen sollen gestärkt aus dem Kohleausstieg hervorgehen.

Initiativen und Strategien

Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung fällt in Mitteldeutschland ein ganzer Industriezweig weg. Aus diesem Grund werden in der Region bereits jetzt nachhaltige Wirtschaftszweige identifiziert und Zukunftsmärkte besetzt.

Hochschule Anhalt
Foto: Landkreis Anhalt-Bitterfeld

Zukunftsweisende Programme

Zahlreiche Initiativen, Gründungen und Forschungsprogramme weisen in Mitteldeutschland den Weg in die Zukunft. Stellvertretend hierfür stehen der GlasCampus Torgau, die Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland oder der Chemie- und Industriepark Zeitz. Der Wegfall von Energie aus der Kohleverstromung soll durch innovative Speichermedien und den Ausbau erneuerbarer Energien kompensiert werden. Wegweisend sind dabei das Batterie-Testzentrum Sandersdorf-Brehna oder das Forschungs- und Entwicklungszentrum Photovoltaik Thalheim. Digitalisierung und nachhaltige Mobilität sind ebenfalls entscheidende Handlungsfelder im Strukturwandel. Wichtige Projekte in der Innovationsregion sind beispielsweise der Technologiepark Weinberg-Campus, die Media-City Leipzig oder das Europäische Drohnenzentrum Altenburg-Nobitz. Das Mitteldeutsche Revier entwickelt sich zur Zukunftsregion, wenn es gelingt, den Strukturwandel aktiv zu gestalten.

 

Fachkräftesicherung

In den 1990er-Jahren erlebte Mitteldeutschland durch die Stilllegung vieler Tagebaue und davon abhängiger Industriezweige einen Strukturbruch, der bis heute bemerkbar ist. Arbeitslosigkeit und Abwanderung von Fachkräften waren die Folgen. Der endgültige Kohleausstieg soll im Unterschied zur Entwicklung in den 1990er-Jahren ganzheitlich und mit besonderem Augenmerk auf die Aktivierung und Pflege vorhandener Fachkräftepotenziale erfolgen. Aus- und Weiterbildung müssen auf zukünftige Arbeitsbedarfe abgestimmt werden. Alle Revierkommunen bieten bereits Fachkräfte-, Ausbildungs- und Jobmessen an. Hochwertige Arbeit und eine attraktive Region sollen nicht nur gut ausgebildete Menschen in Mitteldeutschland halten, sondern auch den Fachkräftezuzug begünstigen.

Mehr zum Thema

Kohleausstieg

Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, hat die Bundesregierung den Kohleausstieg beschlossen.

Gesetz

Den Gesetzestext zum Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen finden Sie im Bundesgesetzblatt.

Strukturstärkung

Mit dem Strukturstärkungsgesetz werden die Kohleregionen in Deutschland gefördert.

Innovationsregion

Die IRMD erarbeitet eine Zukunftsstrategie für das Mitteldeutsche Revier.

Bioökonomie

Der Bioökonomieatlas trägt Daten und Fakten zur Transformation von Kohle zu Bioökonomie zusammen.