Bildungskommunen – Bildung da fördern, wo sie stattfindet

Am 18.01.2022 wurde die Förderrichtlinie zum neuen ESF Plus-Programm „Bildungskommunen“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht. Kernelement neben dem Aufbau bzw. der Verstetigung eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM) ist die Etablierung von digital-analog vernetzten Bildungslandschaften für das lebensbegleitende Lernen. Darüber hinaus erhalten die Kommunen die Möglichkeit, weitere Schwerpunktthemen zu wählen, die ihren aktuellen Bedarfen entsprechen. Jenny Richter beantwortet Fragen zum neuen Programm.

Mit Fachkräftemangel, demografischem Wandel und Digitalisierung stehen die Kommunen des Mitteldeutschen Reviers vor großen Herausforderungen. Das Förderprogramm "Bildungskommen" unterstützt bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben.

Nach dem Programm „Lernen vor Ort“ (2009–2014) startete das BMBF die Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement (2014–2022), in der seit 2015 auch das Förderprogramm „Bildung integriert“ verortet ist. Nun wurde Anfang 2022 eine neue Förderrichtlinie „Bildungskommunen“ veröffentlicht.  Welche Chancen stecken in diesem neuen Programm?

Mit dem neuen ESF Plus-Programm „Bildungskommunen“ unterstützt das BMBF Landkreise und kreisfreie Städte bei der Weiterentwicklung ihrer Bildungslandschaft. Es geht um die Bewältigung drängender Herausforderungen im Bildungsbereich: von der Digitalisierung über den Aufbau neuer Kooperationen und Angebote hin zum Ausbau zukunftsträchtiger Bildungsthemen. Alle Kommunen bundesweit können sich bewerben. Dies ist bereits eine Chance für die kreisfreien Städte und Landkreise, die bislang vielleicht die Förderprogramme „Lernen vor Ort“ oder „Bildung integriert“ nicht realisiert haben. Für bereits erfahrene Kommunen besteht wiederum die Möglichkeit zur Anknüpfung an die vorherigen Programme bzw. auch die Chance, sich neu auszurichten. Ich sehe eine weitere Chance im modularen Aufbau des Programms: Modul 1 betrifft die Weiterentwicklung bzw. den Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagements, Modul 2 die langfristige Etablierung einer analog-digitalen Bildungslandschaft und letztlich können Kommunen je nach Bedarf in Modul 3 eines oder mehrere Schwerpunktthemen zur Bearbeitung wählen. Für die Umsetzung gibt es keine personellen Grenzen. Das heißt, mit dem nötigen Eigenanteil können die Kommunen auch mit mehr Personal in der Umsetzung planen, das sich gezielt Schwerpunkten widmen kann.

Bildungskommunen ermöglicht ein Anknüpfen an und Weiterentwickeln von vorhandenen Strukturen, die beispielsweise im Rahmen von „Bildung integriert“ aufgebaut wurden. Warum ist das Projekt auch für Einsteigerkommunen interessant?

Einsteigerkommunen werden in die Transferinitiative des BMBF und deren bereits etablierte Netzwerkstrukturen aufgenommen und können so vom Erfahrungsschatz der Kommunen profitieren, die sich schon länger auf den Weg gemacht haben, ein kommunales Bildungsmonitoring aufzubauen, Bildungskonferenzen durchzuführen oder auch ein Bildungsleitbild beschlossen haben und auf der Grundlage dieses Leitbildes verschiedene Maßnahmen im Bildungsbereich umsetzen. Die ‚gute Praxis‘ gibt Orientierung. Das Modul 3 ermöglicht die freie Wahl eines thematischen Schwerpunkts, natürlich auch mit der Option mehrere zu wählen. Kommunen können sich damit gezielt den Bedarfen vor Ort widmen und sich ein individuelles Programm nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

Kommunen können im Modul 3 zwischen den Schwerpunkten Kulturelle Bildung, Demokratiebildung/Politische Bildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Integration durch Bildung, Fachkräftesicherung/Bildung im Strukturwandel und Inklusion wählen bzw. auch mehrere Themen wählen. Für die Kommunen des Mitteldeutschen Braunkohle-Reviers liegt es sehr nahe, sich dem Schwerpunkt Fachkräftesicherung/Bildung im Strukturwandel zu widmen. Welche Ausgestaltungsmöglichkeiten ergeben sich auf kommunaler Ebene sowie in der Zusammenarbeit mit dem Netzwerkbüro BiSMit?

Die Möglichkeiten der kommunalspezifischen Gestaltung sind sehr umfangreich. Mit der Wahl des Schwerpunktthemas Fachkräfte/Bildung im Strukturwandel können Kommunen ein spezifisches Monitoring zu diesem Thema etablieren. Angesichts des Strukturwandels und schwieriger demografischer Gegebenheiten gehört das Fachkräftethema sicher zu den größten Herausforderungen vieler Kommunen. Mit einem themenspezifischen Monitoring können die Kommunen ein Instrument schaffen, das für die Analyse der Fachkräftesituation und zur Steuerung der Fachkräftesicherung wichtig ist und dazu dient, kommunale Entscheidungsprozesse datenbasiert zu untermauern. Das Thema Fachkräftesicherung wird somit kommunal verankert. Dazu kann Personal eingestellt oder bereits existierendes Fachpersonal über die Förderung gezielt eingesetzt werden.

Das Netzwerbüro BiSMit bringt in diesen Prozess gern Wissen ein, denn es führt Studien durch, beispielsweise zu Themen wie berufliche Weiterbildung oder Partizipation Jugendlicher. Außerdem baut BiSMit ein regionales Bildungsmonitoring für das Mitteldeutsche Revier auf und wertet Daten zu Themengebieten wie Demografie, Arbeitsmarkt, Fachkräftesicherung oder Bildungsübergänge aus und stellt diese für die Praxis bereit. BiSMit kann als Netzwerkknoten Kommunen, die Innovationsregion Mitteldeutschland (IRMD) und Fachgruppen der verschiedenen Bundesländer zusammenführen.

Bisher wurde „Bildung integriert“ von den Transferagenturen und in Mitteldeutschland von TransMit begleitet. Welche Rolle wird TransMit bei „Bildungskommunen“ einnehmen?

Die Rolle ist in der Förderrichtlinie, Punkt 3, selbst verankert: Im Antrag muss der Kontakt zu TransMit angegeben werden, z. B. die Teilnahme an einer der Informationsveranstaltungen zur Förderrichtlinie Bildungskommunen, die TransMit Ende Januar und Anfang Februar 2022 durchführte. Im Prozess selbst ist es Ziel von TransMit, sehr eng mit den Kommunen zusammenzuarbeiten und bei der Durchführung von Veranstaltungen natürlich wichtige weitere Partner und Institutionen mit ‚an Bord‘ zu holen.

Die Finanzierung von Förderprojekten durch Eigenmittel stellt die kommunalen Haushalte oftmals vor Herausforderungen. Welche Argumente könnte man den Verwaltungsspitzen mitgeben, um diese Investition zu wagen?

Die Kommunen haben die Möglichkeit, den geforderten Eigenanteil durch Drittmittel zu erbringen. Das können private oder öffentliche Mittel sein, d. h. auch die Nutzung von Landesmitteln ist hierfür möglich. Um individuelle Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten und Drittmittel optimal und höchstmöglich einzusetzen, bietet der Projektträger Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Beratungstermine an.

Diese Möglichkeiten sollten unbedingt ausgeschöpft werden, denn mit dem Förderprogramm Bildungskommune können Kommunen viel bewirken. Die Ergebnisse der bereits benannten Programme „Lernen vor Ort“ oder „Bildung integriert“ zeigen deutlich den Mehrwert für die Kommunen auf. Mit datenbasiertem kommunalem Bildungsmonitoring (DKBM) gleicht man keine fehlenden Lehrkräfte oder Kita-Personal aus. Allerdings schafft man es, genau solche kommunalen Bedarfe zu erörtern und sie in Daten abzubilden. Neu ist auch, dass es für die inhaltliche Ausgestaltung, beispielsweise für Moderation von Veranstaltungen oder für Beteiligungsformate, ein Budget gibt.

Gerade mit der Wahl des Schwerpunktthemas Fachkräfte/Bildung im Strukturwandel können Bildungsmanagement und Wirtschaftsförderung einer Kommune eng verzahnt werden – ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung. Als Bildungskommune können Landkreise und kreisfreie Städte ihre Bildungsbereiche zeitgemäß weiterentwickeln und damit in die Zukunft investieren. Bildung ist Standortvorteil und Innovationsmotor für jede Kommune.

Fragen zum Förderprogramm beantwortet

Jenny Richter

Tel.: 0341-99392310 E-Mail: jrichter@dji.de

Mehr zum Thema

Förderrichtlinie

Am 18. Januar 2022 ist die ESF Plus-Förderrichtlinie des BMBF zum Programm „Bildungskommunen“ im Bundesanzeiger veröffentlicht worden. Sie ist als PDF online abrufbar.

Projektträger

Der Projektträger DLR bietet individuelle Beratung zu Finanzierungsfragen des Förderprogramms an.

TransMit

Die Transferagentur Mitteldeutschland begleitet Kommunen bei der Antragsstellung und später bei der Durchführung des Programms.

Bundeskonferenz

Am 2. und 3. Juni 2022 findet die Bundeskonferenz der Transferinitiative statt. „Bildungskommunen“ wird ein zentrales Thema der Veranstaltung sein.